
14.05.2009
Dichtheitspruefsysteme
Witten, Mai 2009
Frische Lebensmittel mit langer Haltbarkeit - diese Forderung des Verbrauchers gibt der Handel seinem Lieferanten weiter, der deshalb mit Schutzgas verpackt. Das steigert die Haltbarkeit, doch das Verfahren ist nicht unfehlbar: Schon bei kleinsten Leckagen droht vorzeitiger Verderb samt teurer Retoure. Wie Hersteller undichte Verpackungen aufspüren können, verrät der Anwendungsspezialist Markus Mertens von Witt-Gasetechnik.
Herr Mertens, wer bislang nicht mit Schutzgas verpackt hat, kann nicht einschätzen, ob und mit wieviel Ausschuss zu rechnen ist.
Das ist auch schwer zu beziffern und hängt sehr vom Produkt und dem Verpackungsverfahren ab. Feste, trockene Ware ist recht problemlos. Schwierigkeiten können Krümel, Soßen und Fettspritzer machen, wenn diese auf die Siegelnaht gelangen. Dann schließt sie nicht dicht oder reißt bei Belastung auf - hauchdünn, aber ausreichend, um Schutzgas austreten zu lassen. Das Risiko besteht vermehrt bei Schlauchbeutelverpackungen.
Was kann der Hersteller tun?
Verpackungsmaschinen und Folien sind mittlerweile schon sehr zuverlässig. Doch auch hier kann – selbst, wenn der Prozess gut überwacht wird – einiges schief gehen. Wenn etwa beim Transport oder der Lagerung der Folien Poren entstehen, die mit bloßem Auge nicht zu sehen sind, gibt es Luftzieher. Bei Ablagerungen auf dem Siegelwerkzeug der Verpackungsmaschine können sich Kapillare bilden, die ebenfalls kaum sichtbar sind. Will man nicht am Produkt ansetzen, ist also Prävention kaum möglich. Letztlich dreht sich alles um die nachgelagerte Qualitätskontrolle.
Das klingt nach Aufwand...
…der aber vertretbar ist, wenn man sich auf Stichproben beschränkt. Die Technik dafür ist weder schwierig zu bedienen noch teuer. Beim PACK-VAC Leak Detector von Witt beispielsweise gibt man die Prüfpackung in eine mit Wasser gefüllte Kammer. Das Gerät evakuiert den Luftraum über dem Wasserspiegel, was die Packung unter Druck setzt. Ist sie undicht, sieht man Luftperlen an der Oberfläche. So ein einfaches und zuverlässiges System kann jeder Betrieb einsetzen.
Gibt es andere Prüfmethoden?
Ebenfalls gebräuchlich sind Prüfsysteme auf CO2-Basis. Die Prüfpackung kommt in eine Kammer, in der ein Unterdruck erzeugt wird. Es entsteht eine Druckdifferenz zwischen Kammerinnendruck und Packungsinnendruck. Im Falle einer Undichtigkeit tritt Schutzgas aus, was sensible Sensoren erkennen. In der Regel werden Kohlendioxid-Sensoren eingesetzt, da dieses Gas in den meisten MAP-Verpackungen enthalten ist. Solche Systeme arbeiten extrem genau und bieten vielfältige Auswertungsoptionen. Unsere Leak-Master nehmen je nach Modell sogar komplette Umverpackungen oder E2-Kisten auf, so dass auch große Stichprobenmengen effizient geprüft werden können.
Aber es bleiben Stichproben. Gibt es Systeme, die den gesamten Ausstoß einer Verpackungsmaschine automatisch prüfen?
Ja, sicher. Zur „inline“-Prüfung hat WITT sogar die weltweit wohl schnellsten Systeme mit bis zu 15 Takten pro Minute im Programm. So ein Leak-Master MAPMAX übernimmt den kompletten Vorzug eines Tiefzieh-Automaten und prüft jede Einzelpackung. Bei Schlauchbeuteln auch ganze Umkartons. Das Verfahren ist technisch anspruchsvoller und zielt daher auf Premium-Anbieter bzw. Problemprodukte.
Angesichts des Aufwands mag eine Spielernatur ganz auf Dichtheitsprüfungen verzichten wollen.
Wem das Glück hold ist. Die Erfahrung zeigt allerdings, dass es irgendwann jeden erwischt. Das ist einfach eine Frage der Wahrscheinlichkeit. Auch die Kosten der Dichtheitsprüfung stehen praktisch nicht zur Diskussion. Jeder kennt den Wert einer Charge. Wird auch nur eine einzige Ausschusslieferung verhindert, hat sich das Prüfsystem schon amortisiert. Wer noch ohne arbeitet, dem sei zum Einstieg ein Wasserbad-Gerät empfohlen, was bereits einen hohen Sicherheitsgewinn bringt. Zudem: Jede Qualitätskontrolle, ist sie auch noch so klein, stärkt den Wert der Marke.
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